Mit Ostsee im Magen auf Platz 16

Bohmter Triathlet kämpft in Glücksburg 226 Kilometer lang hart um Finish

Matze auf dem RadMatthias Hüsemann, Triathlet vom TV 01 Bohmte, kann beim Zieleinlauf kaum glauben, dass er es geschafft hat. 226 strapaziöse Kilometer in der Ostsee, auf dem Rad und per Pedes sowie ein Wechselbad der Gefühle liegen hinter ihm. Unzählige Male dachte er ans Aufgeben. Der Lohn fürs Durchhalten: Platz 16 von knapp 300 männlichen Teilnehmern und eine respektable Zeit von 9 Stunden und 52 Minuten beim bekannten Ostseeman.
Ein dreiviertel Jahr lang hat sich Matthias Hüsemann mit Hilfe eines Trainers und des Sponsors Trionik aus Hamburg auf seinen großen Tag an der Ostsee beim international besetzten Langdistanz-Wettkampf vorbereitet: „Mein Leben war in den letzten Monaten einzig auf diesen einen Sonntag im August an der dänischen Grenze ausgerichtet“, so der Ausdauersportler aus Bohmte. Neben seinem Vollzeitjob als Fachkrankenpfleger für Psychatrie trainierte er bei Wind und Wetter mindestens 15 Stunden pro Woche. Während der langen Trainingseinheiten rechnete er immer wieder aus, wie schnell er in Glücksburg wohl sein würde und hoffte auf eine Zeit um neuneinhalb Stunden. „Bei so großem Aufwand entstehen auch Hoffnungen und hohe Erwartungen. Dass es so unfassbar hart werden würde, habe ich mir in meinen schlimmsten Träumen nicht ausgemalt.“
Dann kam der große Tag. Um 7 Uhr morgens stürzten sich rund 900 Athleten in die Ostsee. Hüsemann erwischte eine ungünstige Ausgangsposition mitten im Gedrängel, wo wenig Rücksicht auf Mitschwimmer genommen wird. Fremde Füße im Gesicht, Ellenbogen-Kinnhaken, Hände, die unabsichtlich die Schwimmbrille vom Kopf wischen – bei großen Wettkämpfen leider keine Ausnahme. Hüsemann musste auf der 3,8 Kilometer langen Schwimmstrecke (1:05 h) viel einstecken: „Ich habe reichlich Ostsee geschluckt, das war nicht lecker.“

Auf den folgenden 180 Kilometer der ohnehin anspruchsvollen Radstrecke begann sein Magen, sich mit Krämpfen gegen das Salzwasser zu wehren. Zwischenzeitlich fasste er sogar den Entschluss, das Rennen nach dem Radfahren (5:12 h) zu beenden. Aber dann ging Hüsemann doch versuchsweise auf die abschließende Marathondistanz (3:31 h). „Ich habe mich von Kilometer zu Kilometer gehangelt, wenn auch weiterhin mit Magenproblemen und Zwischenstopps auf dem Dixie“, erinnert der Bohmter sich an den anstrengendsten Tag Finishseines Lebens. Der Zieleinlauf und die unendliche Erleichterung, es endlich geschafft zu haben, entschädigten ihn jedoch für alle Strapazen. „Ich bin im Nachhinein so froh, dass ich mich durchgebissen habe.“ Nur 15 Triathleten aus ganz Europa waren schneller als „Matze“ aus Bohmte.